25.10.2025 Drittes Dickwurz Schnitzen und Fackelzug
Ein alter Brauch aus vergangenen Zeiten. Als Ursprung könnte ein alter Erntedankbrauch infrage kommen. Aber auch einen Zusammenhang mit altertümlichen Lichtfesten in der dunklen Jahreszeit ist denkbar. Zumindest gibt es in Hessen seit einigen Jahren wieder ein kleines Revival der Dickwurz.
Ein sehr alter Herbstbrauch. Hier im schönen Dorf Eschbach im Taunus wurde der Brauch schon seit Anfang des 19. Jahrhundert gelebt und bis in die 60ziger Jahre durchgeführt. Seit einigen Jahren pflegt nun unser Verein Eschbacher Ortsgeschichte das Fratzenschnitzen wieder. (Erst in den 1990er-Jahren kam Halloween nach Deutschland, maßgeblich verbreitet durch amerikanische Filme, Fernsehserien und Medienkampagnen, was die Begeisterung dafür in den Jahren danach stetig steigerte. Dieses so beliebte und vor allem kommerzialisierte Tun hat mit unserem Dorfbrauch nichts zu tun).
Erzählung einer Bauerntochter 1937.
Wenn die Bauern im Herbst die Dickwurz Ernte (Runkelrüben Ernte) eingefahren hatten, durften wir Kinder uns aus dem Dickwurz Keller (oder auch Dickwurz Loch) eine schöne Rübe heraussuchen. Die Rübe wurde dann durch den Vater oder Opa vorbereitet. Zuerst wurde der Hut abgeschnitten, der Rübenbauch ausgehöhlt und ein Loch für den Holzstock in die Unterseite der Rübe gebohrt. Dann durften wir unter Aufsicht eine Fratze in die Dickwurz schneiden. War das erledigt, kam eine Kerze in das Innere und ein Holzstock in das vorgebohrte Loch. Jetzt hieß es warten bis zur Dämmerung. War es dann dunkel genug, wurde die Kerze angezündet und wir trafen uns mit anderen Kindern auf der Straße. In kleinen Gruppen gingen wir von Haus zu Haus und hielten die leuchtenden Fratzen mit gespenstischen Lauten vor die Häuserfenster. Die meisten Bewohner spielten diesen Schabernack mit, denn auch sie hatten dies als Kinder ja selbst schon so gemacht. Im Gegensatz zum heutigen Halloween bettelten wir nicht an den Haustüren, beschädigten keine Sachen Anderer und beschmierten auch keine Häuser.
Wir sollten an unsere eigenen alten Dorfbräuche festhalten, diese pflegen und an unsere Kinder weitergeben!
Heute wird es immer schwieriger Dickwurze von Bauern zubekommen. Aber, einige Bauern haben allerdings wiederentdeckt, dass sich Dickwurze sehr gut als Ersatz für das Kraftfutter eignen und bauen sie für ihre Kühe wieder an.
Wir, der Verein Eschbacher Ortsgeschichte setzen alles daran, unseren alten Brauch genauso weiter zuführen und lassen nichts unversucht, auch im Jahr 2026 die Dickwurz Fratzen aufleben zulassen.
Am Samstag, den 25. Oktober 2025 trafen sich bei ungünstigstem Wetter, Reiner Holl, Ortwin Ruß, Gerd Becker, Ronny Löw und Nico Schimpf um 13 Uhr in der Feldscheune von Helmut Maurer. Bereits einen Tag zuvor, hatten Reiner und Ortwin 70 Dickwurzen aus der Wetterau besorgt. Eigenhändig geerntet und entblättert traten sie den Weg nach Eschbach an. Ortwin säuberte sie mit Hochdruck und schaffte die Rüben und das restliche Aufbaumaterial mit seinem Hänger an die Scheune.
Zuerst wurde das Scheuneninnere mit einer großen Plane abgehängt, die Tische aufgestellt, Wasser in einem Kübel geholt, Strom für die Bohrmaschinen angeschlossen und einige Dickwurze auf dem Tisch zur Bearbeitung bereitgelegt.
Ronny begann damit, den Dickwurzen einen Hut und einen glatten Schnitt für das Stockloch am unteren Ende abzuschneiden. Mit der Bohrmaschine trieb er ein passendes Loch für den Holzstock ins untere Ende. Hut und Rübenkörper wurden jetzt weitergereicht an Ortwin. Er fräste den Innenraum mit einer Bohrkrone an, Reiner und Gerd höhlten dann im Wechsel die Dickwurze mit einem Messer aus. Nico übernahm dann die Rüben und wusch sie im Kübel mit kaltem Wasser, befestigte den Hut mit einem Nagel am Dickwurzkörper und platziert sie anschließend auf den Schnitztischen. So kam Dickwurz für Dickwurz unter das Messer 🙂
Nach dem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, fuhren alle nach Hause um sich etwas aufzuwärmen und umzuziehen. Um 17 Uhr startete das Schnitzen. 30 Kinder mit ihren Erziehungsberechtigten erschienen trotz des schlechten Wetters in der Scheune. Das hatten wir bei dieser Wetterlage nicht erwartet. Um so schöner war der Anblick über die Teilnehmer.
Bereits um 17:40 Uhr waren die Kinder mit ihren gruseligen Dickwurzköpfen fertig. Jetzt hätte der Umzug starten können, aber aus Sicherheitsmaßnahmen mussten wir noch auf die Usinger Polizei (hier ein Dankeschön an die beiden netten Polizeibeamtinnen) warten, die den Verkehr während des Umzugs durch Eschbach regelten. Um 18 Uhr war es dann soweit. Der Trott setzte sich in Bewegung. Von der Scheune am Friedhof ging es „Zum Steinkopf“, dann bis zur „Metzgerei Vogt“, links weiter die „Michelbacher Straße“ entlang bis zur „Kreuzgasse“, rechts ab in die „Hohlstraße“, dann links auf die „Alte Bornstraße“ über die „Bachstraße“ bis zur Kirche und weiter die „Schulstraße“ bis zum Bürgerhaus.
Nass und Kalt war der Umzug durch Eschbach. Gegen 18:30 Uhr erreichten die Teilnehmer das Bürgerhaus. Hier im großen Saal hatten Manfred Schödel und Udo Häuser Tische und Stühle aufgestellt. In der Küche standen Marion Schorck, Petra Schödel und Susanne Löw bereit, den Teilnehmern heiße Würstchen mit Brötchen und Senf anzubieten. Natürlich waren Essen und Getränke wieder kostenlos.