03.05.2022 – Neue Glocken für Eschbach

Am 3. Mai 2022 stand in der Gemeinde Eschbach der Austausch der alten Eisenhartguss-Glocken gegen die neuen Glocken aus Bronze bevor.

Der Verein Eschbacher Ortsgeschichte möchte aus diesem Grund noch einmal an die Zeit erinnern, als Eschbach 1917 seine ersten Bronzeglocken durch Beschlagnahmung für den Ersten Weltkrieg opfern musste. „Schmerzlich war dieser Verlust“.

Die letzten Klänge der „Alten Eschbacher Glocken von 1919“.  Aufgenommen am 11. Juni 2021. R. Löw/VEO

Unsere Pfarrerin Kerstin Steinmetz stellt die vier neuen Bronzeglocken vor.

JESUS DAS LICHT DER WELT

HERR DEINE GÜTE REICHT SO WEIT DER HIMMEL IST

EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND FRIEDEN AUF ERDEN

DES HERRN WORT BLEIBT IN EWIGKEIT

Seit dem 16. Jahrhundert hängen in Eschbach Kirchenglocken. Die Bronzeglocken wurden im 1. Weltkrieg eingeschmolzen.

 

ESCHBACH. Seit nunmehr 100 Jahren hängen im Eschbacher Kirchturm drei Glocken aus Eisenhartguss. Bald schon sollen sie, wie der Usinger Anzeiger berichtete, durch neue Bronzeglocken ersetzt werden. Und damit wird auch ihr charakteristisches und ein wenig hohles Geläut Geschichte sein. Und dennoch werden viele alte Eschbacher, den Klang „ihrer“ alten Kirchenglocken kennen, lieben und diesen sicher auch vermissen, wenn sie ersetzt werden. Zeit also, ein wenig in die Geschichte der hundert Jahre alten Glocken einzutauchen und sie noch einmal hochleben zu lassen.

Die drei Glocken aus Eisenhartguss sind von der Glockengießerei Rincker aus dem mittelhessischen Sinn und den Buderus-Werken 1919 in den Taunus geliefert worden. Sie bilden in den Schlagtönen e, gis und h das kirchliche Geläut und rufen die Gemeindemitglieder zu Gottesdiensten, Trauerfeiern und Hochzeiten oder kündigen an jedem Samstagnachmittag um 15 Uhr den nahenden Sonntag an. Nicht zum Kirchengeläut gehört eine vierte Glocke, dass in Eschbacher Mundart genannte „Kläppche“. Die kleine, rund 200 Kilogramm schwere Glocke schweigt schon seit vielen Jahrzehnten. Sie wurde einst von der Zivilgemeinde angeschafft und diente den Einwohnern als Feuer- oder Bekanntmachungsglocke.

 

Margot Becker vom Verein für Eschbacher Ortsgeschichte, weiß aus Erzählungen ihres Großvaters, dass die kleine Glocke auch bei Obstversteigerungen geläutet wurde. Im Zweiten Weltkrieg blieben die Eschbacher Glocken unangetastet. Vermutlich deshalb, weil der minderwertige Eisenhartguss für Rüstungszwecke nicht zu gebrauchen war. Aus der Kirchenchronik gibt es hierüber keine Informationen.

Dafür aber kann man anhand der Aufzeichnungen lückenlos die Historie aller Eschbacher Glocken nachvollziehen.

Mit dem Bau der heutigen Kirche im Jahre 1846 wurden damals auch drei neue Bronzeglocken gefertigt. Dafür hatte die Gemeinde zwei ihrer alten Glocken aus der Vorgängerkirche (erbaut 1520) zum Einschmelzen dem Glockengießer Bach aus Windecken übergeben. Er ergänzte das Material und lieferte pünktlich zur Weihe des Gotteshauses zwei neue Glocken für die Kirchengemeinde, die mit einer weiteren Glocke aus der abgebrochenen Kirche das neue Kirchengeläut bildeten. In diesem Zusammenhang erhielt auch die Zivilgemeinde eine neue Glocke, die mit der Inschrift „Polizeiglocke von 1846“ versehen war und ob ihres scheppernden Tons von den Eschbachern schnell den Spitznamen „Kläppche“ verpasst bekam. 1888 zersprang beim Trauergeläut für Kaiser Friedrich III. die zweitgrößte Glocke und wurde schon bald darauf durch eine neue bronzene Glocke ersetzt, die rund 700 Kilogramm schwer war und die Inschrift

„Ehre sei Gott in der Höhe/Friede auf Erden/Den Menschen ein Wohlgefallen/Eschbach 1889″ trug.

Bis 1917 erklang weit über das kleine Taunusdorf hinaus das dreistimmige Geläut der bronzenen Glocken und regelmäßig rief die kleine Polizeiglocke die Bürger zu zivilen Anliegen zusammen oder forderte sie auf, sich unverzüglich als Löschhilfe an Brandstellen einzufinden. Im dritten Jahr des Ersten Weltkrieges kam dann die Aufforderung, drei der insgesamt vier Glocken für Rüstungszwecke zur Verfügung

zu stellen. Wie aus alten Aufzeichnungen hervorgeht, weigerten sich Kirchenvorstand und Gemeinde vehement gegen die, staatliche Anordnung, die Glocken abzuliefern. Schließlich drohten die Behörden an, die Glocken auf Kosten der Gemeinde durch ein Militärkommando abhängen zu lassen. Schweren Herzens beauftragte daraufhin die Gemeinde zwei Schmiedemeister „die Glocken auf dem Turm zu zerschlagen und stückweise „herabzuholen“. Pfarrer Gottwald notierte dazu in der Kirchenchronik:

„Als die schönen Glocken in Stücke fielen, haben viele geweint wie bei dem Tod von lieben Menschen und manche sagten, nun sei der Krieg verloren.“

Von der Abgabe betroffen waren damals neben der größten, 20 Zentner schweren Glocke, auch die 1889 nachgegossene Glocke und das „Kläppche.

Trotz allergrößter Not und einer miserablen Wirtschaftslage gelang es der Eschbacher Kirchengemeinde, schon ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges neue Glocken für die Kirche zu beschaffen. An teure Bronzeglocken war allerdings nicht mehr zu denken. Und so gab der Kirchenvorstand bei Rincker und Buderus den Auftrag, die bis zum heutigen Tage verwendeten Glocken aus Eisenhartguss zu fertigen.

Die größte Glocke ist 1350 Kilogramm schwer und trägt die Inschrift

„Ehre sei Gott in der Höhe“, ihr folgt die mittlere Glocke, die es auf etwas über 660 Kilogramm bringt und mit der Inschrift

„Friede auf Erden“ versehen ist.

„Den Menschen ein Wohlgefallen“ lautet die Inschrift der kleinen Glocke, die es auf ein Gewicht von 400 Kilogramm bringt.

 

Die Zivilgemeinde hatte sich noch im Jahr der Glockenabgabe ein neues „Kläppche“ beschafft, um auch weiterhin eine Warn- und Informationsmöglichkeit für die Dorfbewohner zu haben. Sie trägt die Inschrift „Polizeiglocke 1917“.

                                                                                                                                                                                                              Abschrift UA Andreas Seifert

Film+Foto: R. Löw/VEO