06.08.2022 – Ortsbegehung – ein historischer Rundgang

Historischer Rundgang

Rund 60 Leute waren am Samstagnachmittag der Einladung des Vereins Eschbacher Ortsgeschichte (VEO) zum Dorfrundgang gefolgt.
Erwartungsvoll traf man sich an der ehemaligen Gärtnerei in der Plankstraße, um eine Reise in die Vergangenheit anzutreten. Der Weg führte durch den alten Ortskern und endete am unteren Ende der Bornstraße, am ältesten noch bestehenden Haus von Eschbach, dem Pfarrhaus von 1740,  welches heute in Privatbesitz ist.

Reiner Holl, der Vorsitzende des VEO, führte die Gruppe durch das Dorf, stellte die einzelnen Häuser mit ihren alten Hausnamen vor und gab dazu Erläuterungen, die unter anderem von Margot Becker oder Ortwin Ruß mit Geschichten ausgeschmückt wurden. Ruß oblag es auch, einen Bollerwagen mit einem Lautsprecher durch die Straßen zu ziehen, und somit dafür zu sorgen, dass alle, die ins mitgeführte Mikrofon sprachen, allseits gehört und verstanden werden konnten.

Man begann also an der einstigen Gärtnerei, in der früher Heinz Häuser, ein Eschbacher Urgestein, seinem Beruf nachging und nebenher auch noch Fahrräder verkaufte. Ein paar Schritte weiter führte die gebürtige Norwegerin Sigrun Altenheiner bis Anfang der 1970er-Jahre einen Edeka-Markt, und gegenüber hatte Eschbachs früherer Hausarzt Dr. Greber einen Praxisraum. Greber war ein geschätzter Mediziner, der gerne  Hausbesuche machte und als Dank für die gute Behandlung oft mit einem Schnäpschen bedacht wurde. Im Haus neben der Praxis war die Eschbacher Post und auf der anderen Straßenseite die erste Eschbacher Autowerkstatt. Beide Einrichtungen existieren nicht mehr. Ganz früher hatte dort der Gemeinde-Sauhirt gewohnt, der die Schweine der Bauern zum Eicheln fressen in den Wald führte. Ein Stück der Hohlstraße folgend
bog die Gruppe schließlich in die Alte Bornstraße ein. Man sah zunächst ein unbebautes Grundstück. „Hier ging der Peterhannes seinem Handwerk nach – er war Schuster. Sein Haus wurde abgebaut und im Hessenpark wieder aufgebaut“, informierte Holl und leitete zum Haus „Wöimersch“ über. Von Lebensmitteln über Stoffballen zum Nähen von Schürzen bis hin zum Halfter für die Kühe gab es dort alles. Auch kaufte manch junger Eschbacher dort seine erste Zigarre. Denn gemäß der alten Bezeichnung „Kolonialwarenladen“ gab es auch allerhand aus Übersee.
Weiter unten fand sich einst das Standesamt, und gegenüber davon wohnte der Schullehrer Karl Vogt, der immer spitze Fingernägel hatte und damit den Schülern von hinten auf die Köpfe tippte, wie sich ein Leidgeprüfter erinnerte. Die nächste Station war der ehemalige Konsumladen und dahinter, im angrenzenden Hof, zog der „Herrenkeller“ die Blicke auf sich. Dies war keineswegs ein Ort, an dem man sich zum Stammtisch traf, wie mancher wähnte. Vielmehr war es ein Zehntkeller, worin die landwirtschaftlichen Abgaben für den Fürsten gelagert wurden. Um die Ecke war  früher die Milchsammelstelle, wo die Bauern morgens und abends die Milch ablieferten. Anschließend nahmen viele noch einen Dämmerschoppen
im „Bauernkasino“, einem mehr oder weniger privaten Treffpunkt neben dem Konsumladen. Im großen Fachwerkhaus unterhalb schließlich war vor dem Krieg eine Gastwirtschaft mit Festsaal untergebracht, nach dem Krieg eine Schneiderei. Auch einen Wagner gab es auf dem Gelände.
Die Gruppe war erstaunt, wie gut Eschbach in nahezu allen Belangen versorgt war. Schließlich passierte man das alte Pfarrhaus und ließ den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen im Garten des Vorsitzenden ausklingen.

TZ 09.08.2022 _ cur